Gestatten Sie hierzu zunächst ein paar historische Informationen:
Heinrich Melchior Mühlenberg (1711-1787)
wurde in Einbeck geboren, studierte
Theologie in Göttingen und Halle, arbeitete für ein Jahr als Lehrer in den
Franckeschen Stiftungen in Halle und wurde dann Pfarrer in Großhennersdorf.
Im Jahre 1741 sandte ihn Gotthilf August Francke (Sohn und Nachfolger des
Stiftungsgründers) nach einem Hilferuf lutherischer Gemeinden aus
Philadelphia nach Amerika. Mühlenberg kam im September 1742 zunächst nach
Charleston und fand chaotische kirchliche Verhältnisse vor: Unter den
deutschen Siedlern fanden sich neben vielen Lutheranern auch Reformierte,
Mennoniten und Angehörige verschiedener Sekten. Die Pfarrdienste wurden
häufig von unausgebildeten Menschen oder gar Betrügern wahrgenommen; es gab
keinen geordneten Gottesdienst und keinen Unterricht. Mühlenberg begann, die
Gemeinden im Raum Philadelphia neu zu organisieren, sorgte für regelmäßigen
Gottesdienst, die Einstellung von Lehrern und die Durchführung kirchlicher
Unterweisung. 1748 organisierte er in Pennsylvanien die erste lutherische
Synode von Amerika. Schließlich betreute er fast alle lutherischen Gemeinden
in Nordamerika und schuf mit der eher presbytorialen Verfassung – also
starker Kontrolle der kirchlichen Aktivitäten durch Laien – die Grundlage
des heutigen freikirchlichen Systems in Amerika.
Der "Vater des Luthertums in Amerika" zog sich in den letzten zehn Jahren
seines Lebens aus der überörtlichen Arbeit zurück und stellte ein Gesangbuch
zusammen, das über 100 Jahre lang im Gebrauch war.
Drei seiner Söhne wurden zu bedeutenden Persönlichkeiten in den noch jungen
Vereinigten Staaten, zwei von ihnen übten großen Einfluß im amerikanischen
Unabhängigkeitskrieg aus und waren danach in leitenden politischen
Funktionen tätig.
Johann Peter Gabriel Mühlenberg (1746-1807)
studierte wie sein Vater
Theologie in Halle. Ihm gelang es als begnadeter Redner und freier Geist
deutsche Siedler von der Notwendigkeit der amerikanischen Unabhängigkeit zu
überzeugen. Als General unter George Washington nahm er an der
entscheidenden Schlacht bei Yorktown teil und galt als enger Vertrauter der
späteren Präsidenten Thomas Jefferson und James Monroe.
Er war direkt an der Annahme der Verfassung der Vereinigten Staaten von
Amerika beteiligt und vertrat den Staat Pennsylvanien im Senat; seine Büste
ist der National Statue Gallery im Capitol in Washington, D.C. zu sehen.

Denkmal von General Peter Mühlenberg vor dem Haas College Center auf dem
Gelände des „Muhlenberg College“ in Allentown, Pennsylvania, USA
Friedrich August Mühlenberg (1750-1801)
studierte ebenfalls in Halle
Theologie, arbeitete dann in Amerika als Pastor, bevor er als Abgeordneter
zunächst in den Kontinentalkongress und später in das amerikanische
Repräsentantenhaus einzog, wo er als erster "Speaker" (Präsident des
Repräsentantenhauses) gewählt wurde. In dieser Funktion war er 1789 einer
der Unterzeichner der "Bill of Rights", einem Verfassungszusatz, in dem die
Grundrechte niedergelegt wurden.
Heinrich Ernst Mühlenberg (1753-1815)
war einer der berühmtesten
Wissenschaftler der frühen amerikanischen Geschichte und der erste Präsident
des Franklin College, des heutigen Franklin and Marshall College.
William August Mühlenberg (1796 – 1877)
einer der Enkel von Friedrich
August Mühlenberg und einflußreicher Priester der Protestantischen
Episkopalkirche in den Vereinigten Staaten. Er wurde in der lutherischen
Kirche Amerikas getauft. Durch seine Erziehung war Mühlenberg Episkopaler (=
Anglikaner). Seine Studien vollendete er an der Universität von
Pennsylvanien im Jahre 1815.
Im Jahre 1817 wurde er Diakon und 1820 Priester der amerikanischen
Protestantischen Episkopalkirche. Durch die von ihm gegründeten Schulen in
Long Island im Staate New York erwarb er sich einen bedeutenden Namen. Im
Jahre 1846 wurde er Rector (Pfarrer) der Church of the Holy Communion in New
York City. Diese Pfarrei hatte nicht nur ihre eigenen sozialen
Einrichtungen, sie stand auch liturgisch an der Spitze einer Bewegung, die
bald in der ganzen Episkopalkirche Allgemeingut geworden ist.
Im Jahre 1850 gründete Mühlenberg das St. Luke's Hospital; für den Dienst an
diesem Krankenhaus gründete er eine Diakonissengemeinschaft, der er den
Namen „Sisters of the Holy Communion“ gab.
Es gelang ihm auch, die Spannungen zwischen den beiden Richtungen innerhalb
der Episkopalkirche – „High Church“ und „Broad Church“ - zu mindern. Im
Jahre 1853 legte er dem „House of Bishops“, dem Leitungsorgan der
Episkopalkirche, das sog. „Mühlenberg Memorial“ vor, das, obwohl strittig,
letztlich doch zur Bildung einer Kommission für Kircheneinheit (Commission
on Church Unity) und zur Durchführung liturgischer Reformen führte.
Über fünf Generationen wirkten die Mühlenbergs als Pastoren, Offiziere und
Politiker und haben wie keine andere Familie das Werden der Vereinigten
Staaten von Amerika in ihren Gründungsjahren mitgestaltet und in ganz
besonderer Weise eine Brücke zwischen Halle an der Saale und Amerika
geschlagen.
In einer gemeinsamen Initiative mit dem „pro iure e.V. – Gesellschaft zur
Förderung des Rechts“ und strebt der Monetarium e.V. eine Ehrung von
Heinrich Melchior Mühlenberg an, der als erster aus Halle an der Saale nach
den hier herrschenden freien Geist in die neue Welt brachte.
In der Stadt Halle wurde in der Vergangenheit Wissen in einem freien Geist
in einer Art und Weise vermittelt, die unserer Stadt eine Vorreiterrolle
zukommen ließen.
Universität und die Stiftungen von August Hermann Francke gelten als Hort
des Pietismus und der Aufklärung. Die Mühlenbergs trugen diesen Geist in die
neue Welt und brachten ihn bei ihrer Arbeit mit ein.
In ihrer gemeinsamen Initiative möchten die Vereine „pro iure“ und
„Monetarium“ darauf aufmerksam machen, dass einige Mühlenbergs einst in der
Saalestadt studierten und lebten. Ferner wird eine angemessene Ehrung
angestrebt.
Wir treten ein für:
- eine Mühlenberg Straße in Halle
- ein Mühlenberg-Denkmal an zentraler Stelle.
Hierbei kann hinsichtlich des Straßennamens in allgemeiner Nennung des
Namens eine Ehrung der Familie vorgenommen werden.
In Bezug auf das ins Auge gefasste Denkmal als geplantes Kunstwerk im
öffentlichen Raum wird vorgeschlagen, sich auf die Person von Heinrich
Melchior Mühlenberg zu konzentrieren, da diesem als Vater des Luthertums in
Amerika und erstem Vertreter seiner Familie eine besondere Rolle in der
Geschichte zukommt. Hingewiesen werden sollte aber auch auf die Bedeutung
der Familie Mühlenberg auf die Schaffung der (verfassungs)rechtlichen
Grundlagen der Vereinigten Staaten von Amerika.
Nähere Informationen zur Person von Heinrich Melchior Mühlenberg finden Sie:
[hier]
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